Es besteht die Möglichkeit, einen kurzfristigen Freiwilligen-Einsatz in den Beratungsprogrammen der ASCIM zu machen.


Kurznachrichten 2005


Landsituation der Indianer und Neuansiedlungen

November 2005

Laut Artikel 64 der nationalen Verfassung (Constitución Nacional) haben die Indianer das Recht auf Land ohne Unkosten und sie sind frei von der Landsteuer; aber es darf dann nicht verpachtet, nicht verpfändet oder aufgeteilt werden,. Das Indianergesetz 904/81 im Artikel 18 sagt, dass die Indianer in Ostparaguay das Recht auf 20 ha Land pro Familie haben und im Chaco 100 ha pro Familie.

Im September 1961 hatte man ein Ansiedlungsprojekt erarbeitet mit dem Ziel, 700 Indianerfamilien in den nächsten 10 Jahren anzusiedeln. Im April 1967 hatte man das Ziel schon erreicht und in 10 Jahren waren es schon 1000 Familien, die angesiedelt worden waren.

In den Jahren 1979 bis 1988 wurden folgende Siedlung gegrĂĽndet: La ArmonĂ­a, Nueva Promesa, Paz del Chaco, Casuarina, y Nich`a Toyish.

In den letzten Jahren wurden folgende Neuansiedlungen gemacht:

 

Gemeinschaft

Kommen
ursprĂĽnglich
von

Jahr

Anzahl von
Familien

Anzahl von
Hektar

Anaconda

La Esperanza

2000

70

11.250

Koe Pyahu

Laguna Negra

2001

63

6.300

Laguna Verde

Campo Alegre

2001

45

7.500

Campo Princesa

CNU

2004

70

10.000

TOTAL

248

35.050

P.S.: Alle Länder wurden von ASCIM gekauft mit Ausnahme von Anaconda, wo die ASCIM 25% gezahlt hat und die paraguayische Regierung 75%. 


ASCIM hat über die Jahre etwa 160.000 Hektar Land an den Indianer vermittelt. Dieses war nur möglich mit Hilfe der starken Unterstützung von MCC, ICCO und IMO. Das Land ist sehr wichtig, aber um eine neue Ansiedlung zu machen, braucht man Grundinfrastruktur.

Die neue Ansiedlung wird notwendig durch den natürlichen Zuwachs der Bevölkerung. Außerdem ist eine Zuwanderung zum zentralen Chaco zu verzeichnen. Ein Grund ist auch die Zentralisierung der verschiedenen Dienstleistungen und die Arbeitsuche.

 

Wie sieht die gegenwärtige Landsituation aus?

Laut dem nationalen Zensus leben im Chaco rund 50.000 Indianer. Wenn wir davon ausgehen, dass in einer Familie 5 Personen sind, gäbe es 10.000 Familien. Um dem Gesetz 904/81 gerecht zu werden, das für jede Familie 100 Hektar vorsieht, brauchte man gegenwärtig 1.000.000 Hektar Land. Man darf aber nicht vergessen, dass der Bevölkerungszuwachs bei 4% jährlich liegt.

PRODECHACO hat eine Karte angefertigt, auf der theoretisch 1.164.955 ha für Indianer reserviert sind. Von der ASCIM haben wir gegenwärtig noch 37.847 ha.

Gegenwärtig sind in den verschiedenen Siedlungen 255 Familien, die gerne auf „ihr“ Land ziehen wollen.

Von der ASCIM aus sind wir auf der Suche nach finanzieller Unterstützung, um den Familien, die auf dem Land leben wollen, eine Grundausstattung zu gewährleisten.

 (Ing. Agr. Eduard Klassen, Leiter der ASCIM)


Erfahrungen der ASCIM mit Neuansiedlungen

September 2005

In der Geschichte der ASCIM haben wir es mit verschiedenen Modellen der Begleitung von Um- und Ansiedlungen von Indianergruppen im zentralen Chaco zu tun gehabt. So wurde zum Beispiel im Zeitraum von 1979 – 1988 der Aufbau von fünf neue Siedlungen nach einem Modell der integralen Entwicklung durchgeführt: Paz del Chaco, Nicha Tôyish, Nueva Promesa, Armonía und Casuarina. Das vorrangige Ziel dieser Projekte war es, die Gruppen auf ihrem Land zu verwurzeln, eine wirtschaftliche Subsistenz zu sichern und die Gemeinschaftsdienste zu befestigen. Um das zu erreichen, wurde eine relativ hohe Anfangsinvestition in Infrastruktur, Ausrüstung und Begleitung der Siedler gemacht, die im Schnitt rund US$ 2,500 pro Familie kostete.

Parallel zu den genannten Projekten wurden im zentralen Chaco vier weitere Ansiedlungen von verschiedenen Organisationen durchgeführt, teilweise auf von der ASCIM gesicherten Landstücken: Laguna Negra, Campo Loa, Estribo und Casanillo. In diesen Siedlungen wurde ein Modell zur Kultur angepassten Entwicklung angewandt. Das vorrangige Ziel dieser Projekte war es, wenige Veränderungen in der Lebensweise der Siedler zu verursachen und daher auch so viel wie möglich an schon bekannte Wirtschaftsformen anzuknüpfen: Sammeln, Honigbau, Schaf- und Ziegenzucht, Handarbeiten, Gartenbau und Lohnarbeit. Die Projektinvestitionen wurden in Infrastruktur, Ausrüstung und Projektbegleitung gemacht und beliefen sich durchschnittlich auf geschätzte US$ 1.250 pro Familie.

In den neunziger Jahren änderten viele internationale Finanzinstitutionen ihre Strategien dahin, dass sie nicht mehr große, integrale Projekte unterstützen wollten, sondern kleinere, die von den Zielgruppen selbst eingereicht würden. Das Ziel sollte sein, die Siedlergruppen “verhandlungsfähig” zu machen und sie anzuleiten, ihre Rechte durch Forderungen den Regierungsinstitutionen gegenüber durchzusetzen. In diesem Rahmen galt es, “Ansiedlungspakete” so zusammenzustellen, dass die verschiedenen Organisationen gemäß ihrer Angebote zu einer interinstitutionellen Zusammenarbeit angeleitet würden.

Versuche mit diesem Modell wurden in den letzten Jahren von der ASCIM in folgenden Siedlungen gemacht: Laguna Verde, Anaconda, Koé Pyahú und La Princesa. Die von außen eingebrachten Beiträge, darunter auch von den Departamentsregierungen, gingen für die Infrastruktur, die Sozialdienste und Wohnungsbau, während die ASCIM die Koordinierung und Beratung machte und kleinere Wirtschaftsprojekte förderte. Es mögen schon im Schnitt US$ 1.000 pro Familie investiert worden sein, jedoch sind alle vier Projekte noch ohne eine gesicherte Subsistenzbasis.

 

Einige Ăśberlegungen zu dem, was im Prozess der ProjektdurchfĂĽhrungen im Rahmen dieser verschiedenen Modelle von der ASCIM gelernt worden ist:

1. Motivation und Vision der Zielgruppe spielen eine entscheidende Rolle darin, in wie weit das Projekt Erfolg hat. Ist die Gruppe vorrangig von einer Subsistenzkrise motiviert, ist ihr Ziel, eine kurzfristige Versorgung zu erreichen; eine "Abhängigkeit von einem Gönner" sowie von einer Hilfsorganisation wird da hoch geschätzt. Hat die Gruppe aber zum Beispiel eine Vision, ein eigenes Landstück für eine sozialpolitische Absicherung auf lange Sicht zu erreichen, liegen die Chancen ziemlich günstiger.

2. Die Rolle der Begleitorganisation muss vor der Projektdurchführung geklärt und während der Zusammenarbeit systematisch verfolgt werden. Es ist davon auszugehen, dass sich die Erwartungen der Zielgruppe und das Selbstverständnis der Partnerorganisation auf Anhieb niemals decken werden. Die fortwährende Klärung der Zuständigkeiten trägt dazu bei, mit der Zeit zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zu gelangen. Schwierig wird es dann, wenn mehrere Institutionen mit verschiedenen Richtlinien mitarbeiten; dann wird viel koordinierender Dialog notwendig.

3. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit einer Neusiedlung entscheidet, ob die Siedlergruppe auf die Länge gesehen "sesshaft" werden kann. Dieser Rentabilitätsfaktor sollte im Konzept vor der Umsiedlung geklärt sein. Die Erfahrung lehrt, dass wirtschaftliche Vielseitigkeit die beste Voraussetzung zur Lösung der Subsistenzfrage ist; Sicherheit - aus der Perspektive der Chacoindianer - wird nämlich dann erreicht, wenn stets mehrere Wirtschaftsoptionen zur Wahl stehen: Gartenprodukte, Sammelgut, Handarbeiten, Beziehungen für eventuelle Lohnarbeit, und einige Familienmitglieder, die berufstätig oder auch verhandlungstüchtig sind, um Ressourcen von außen einzubringen.

4. Die “großzügigen Anfangsinvestitionen in Wasserversorgung, Wege, Schule, Gesundheitsposten, Vermarktungsmöglichkeiten, Ausrüstung mit landwirtschaftlichen Geräten und viehwirtschaftlichen Einrichtungen sind kein “weiß getünchter Luxus”; sie haben - laut Erfahrungen der ASCIM - einen direkten Impact auf Motivation und Wirtschaftserfolg der Siedler.

5. Begleitung und Beratung der Siedlergruppe haben keine vorschriftsmäßige Dauer, sondern hängen am meisten von der Art der Beratungsbeziehungen ab. Das Bedürfnis der Siedler für Beratung ändert sich im Normalfall ständig, je nach Gruppeninitiativen und -visionen. Charakteristisch dabei ist, dass die Nachfrage bezüglich Beratung immer mehr zum Technischen und Administrativen hin wächst. Dabei hat es im Falle der ASCIM geholfen, Bedürfnisse und Beziehungen jährlich gemeinsam zu bewerten, auszuhandeln und schriftlich festzulegen.


(Wilmar Stahl, beratender Anthropologe der ASCIM)


Buch: „Indígenas del Chaco Central”

August 2005

Es wurde ein Büchlein in spanischer Sprache geschrieben mit 72 Seiten mit dem Titel: „Indígenas del Chaco Central“. Das Buch beinhaltet eine kurze Beschreibung von den verschiedenen Ethnien und Daten von den Indianersiedlungen. Es wurde von Wilmar Stahl geschrieben, der viele Jahre mit den Indianern im Chaco gearbeitet hat. Das Buch enthält viele Fotos von früher sowie auch aus der Gegenwart. Es sind auch einige Mythen enthalten. Die Zeichnungen haben Jorge Carema und Asque Eurides Modesto Gomez von Cayin ô Clim gemacht und die grafische Zusammenstellung hat Dyane Wiebe gemacht. Das Ziel dieses Buches ist, eine kurze Beschreibung der Indianergruppen zu bieten, damit man sich schnell und besser informieren kann. Unser Ziel war es, das Buch so billig wie möglich zu verkaufen. Es ist besonders geeignet für Zentralschüler.


Bau einer Zahnklinik

Gegenwärtig hat man mit dem Bau der Zahnklinik in Yalve Sanga begonnen. Die paraguayische Regierung hat die finanziellen Mittel dazu zur Verfügung gestellt.


Abkommen MAG/ASCIM

Juli 2005

Es wurde ein Abkommen zwischen dem Landwirtschaftsministerium und der ASCIM unterschrieben. Es geht um eine Zusammenarbeit sowie um Werkzeugaustausch und Saatgutbeschaffung.

Auf dem Foto (v.l.n.r) Viceministra de Agricultura Ing. Agr. Carmen Galdona, Eduard Klassen, Ministro Ing. Agr. Gustavo Ruiz Diaz, Director EECC Ing. Agr. Santiago Bertoni, Director DIA Ing. Agr. Marcos Villalba.


Beratungsabkommen und Kostenvoranschläge

Juli 2005

Im Monat Mai werden die Vorbereitungskurse fĂĽr das Beratungsabkommen und Kostenvoranschläge mit den Verwaltungsräten der Indianergemeinschaften gemacht. Die Kurse fĂĽr die Enlhit und Nivacle werden separat durchgefĂĽhrt. Im Monat Juni und Juli werden diese Beratungsabkommen und Kostenvoranschläge in jeder Siedlung erstellt. 


Kurse im Gesundheitsprogramm

In jeder Indianergemeinschaft funktioniert ein Gesundheitskomitee, um das Gesundheitsprogramm zu begleiten und zu unterstützen. In diesem Jahr wurde in Paz del Chaco für die Enlhit und in Nich’a Tôyish für die Nivacle ein Kursus angeboten. Jedes Mal nahmen etwa 130 Personen daran teil. Das Thema war „Tabak und Alkoholkonsum“.